Beliebte Reiseziele Wo die Deutschen Urlaub machen

Strände sind beliebter als Bayerns Berge: Eine aktuelle Tourismusanalyse zeigt, welche Regionen bei Urlaubern im Trend liegen - in Deutschland und weltweit.

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Mecklenburg-Vorpommern hat Bayern in der Gunst der Deutschland-Urlauber überholt. Das geht aus der 35. Deutschen Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen hervor. Acht Prozent aller Befragten wählten das norddeutsche Bundesland als Ziel für ihre Haupturlaubsreise.

"Der lange und heiße Sommer führte dort zu ausgebuchten Hotels und vollen Stränden", schreibt Ulrich Reinhardt, Autor der Studie und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung. "Neben den Familien als Stammpublikum konnten sich besonders viele Jungsenioren und Ruheständler für die Ostseeküste und Seengebiete im Nordosten begeistern."

Mecklenburg-Vorpommern stand zuletzt 2014 an der Spitze der Bundesländer und liefert sich seit Jahren einen Wettkampf mit Bayern. 2018 verzeichnete der Freistaat weniger deutsche Urlauber - sowohl im Jahresvergleich als auch im 10-Jahres-Vergleich (Minus 1,4 Prozent).

Auch Schleswig-Holstein - dieses Jahr nach Niedersachsen an Platz vier im Ranking - musste bei der Haupturlaubsreise Verluste hinnehmen. Grund dafür war der Ausnahmesommer, in dem viele Unterkünfte ausgebucht waren. Reisende wichen wegen der Kapazitätsgrenzen auf andere Destinationen aus.

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Tourismusanalyse 2019: Lieblingsreiseziele der Deutschen

Die Favoriten: Deutschland, Spanien, Italien

Deutschland blieb für die Bundesbürger 2018 mit großem Abstand das Reiseland Nummer eins, auch wenn die Zahl der Reisen ins europäische Ausland zulegte. Die Favoriten waren Spanien und Italien gefolgt von Österreich, der Türkei und Skandinavien.

Eine Fernreise unternahm 2018 etwa jeder achte Reisende. Der Anteil von Fernreisen an allen Reisen ging von 13,1 Prozent auf 12 Prozent zurück. Wenig überraschend: Nordafrika sowie der Nahe und Mittlere Osten verloren Anteile. Die USA gewannen Fernreisende aus Deutschland hinzu, asiatische Länder konnten ihr Niveau halten: 2,8 Prozent aller Urlauber wählten Ziele dort.

Dank des langen Sommers, einer brummenden Konjunktur und gestiegener Einkommen sind 2018 so viele Bundesbürger verreist wie nie zuvor. 62 Prozent waren wenigstens fünf Tage unterwegs, das waren vier Prozentpunkte mehr als 2017. Dies ist laut der Analyse der bislang höchste gemessene Anstieg gewesen.

"Überrascht hat uns die gestiegene Reiselust der älteren Generation - vor allem bei den 65- bis 74-Jährigen", sagt Ayaan Güls, Pressesprecherin der Stiftung. Konkret waren es im vergangenen Jahr 61 Prozent der Befragten - 2017 waren es nur 50 Prozent ."Eine Revolution auf leisen Sohlen wird den Tourismus verändern", sagt Ulrich Reinhardt mit Blick auf diese Generation. "Reiseerfahrene, ältere Generationen prägen schon heute das Bild vieler Hotels, Strände und Innenstädte. Sie bildet die Mehrheit der Bundesbürger, haben Zeit, Geld und wollen die Welt kennenlernen."

Ein heißer Sommer

Angesichts des "grandiosen Sommers" und einer geringen Arbeitslosigkeit seien die Deutschen noch häufiger verreist. "Dass 2018 so gut war, hat dennoch überrascht." Das Statistische Bundesamt hatte bereits ein Rekordhoch festgestellt. Die Flughäfen haben im vergangenen Jahr einen Passagierrekord verzeichnet. Die Deutschen flogen 2018 so viel wie noch nie.

Die BAT Stiftung für Zukunftsfragen gehört zu dem Tabakunternehmen British American Tobacco und möchte eigenen Angaben zufolge "einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft leisten". Für die Tourismusanalyse wurden 3000 Menschen ab 14 Jahren in persönlichen Interviews zu ihren Vorlieben rund ums Reisen befragt - zum Beispiel, wie oft sie 2018 verreist sind, wie lange ihre längste Reise dauerte und wohin sie im kommenden Jahr eine Urlaubsreise planen.

"Noch deutet vieles auf eine hohe Reiseintensität in 2019 hin. Ob sie aber das Niveau von 2018 erreichen wird, bleibt abzuwarten", bilanziert der Stiftungsleiter. Immerhin sei sich fast jeder zweite Deutsche schon sicher, in diesem Jahr zu verreisen.

Allerdings zögen "auch wieder einige Wolken am Horizont auf": der Brexit, der Handelsstreit mit den USA, die Angst vor Terroranschlägen. Solche Themen könnten den Tourismus negativ beeinflussen, sagt Reinhardt. "Daher hängt einiges davon ab, wie sich die Welt in den kommenden Monaten entwickelt."

sth/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
rambazambah 07.02.2019
1. Grandioser Sommer
Gerade wegen des grandiosen Sommers sind wir daheim geblieben: Ein Garten wie im Paradies, traumhafte Temperaturen, kleiner Pool im Garten, die Liege war immer meins und der Grill stand allzeit bereit. Wir waren braun gebrannt und absolut entspannt. Warum sollte man da wegfliegen?
Hans-Dampf 07.02.2019
2.
Deutschland ist ohne Zweifel ein schönes Land - wenn das Wetter denn mitspielt. In den 80ern war ich mal 3 Wochen an der Nordsee. Es hat nur einmal geregnet - ganze 3 Wochen lang. Ebenso am Chiemsee: in der einen Woche Urlaub war es dort Nachts trocken und den ganzen Tag über hat es geregnet. Pech gehabt, aber so etwas wird einem wohl eher nicht bspw. auf den Kanaren im Sommer passieren.
Comunicador 07.02.2019
3. Algarve nicht unterschätzen!
Unterschätzt wird noch von vielen Deutschen das Reiseziel Portugal. Vor allem die Algarve bietet längst nicht nur Traumstrände und viel Sonne, sondern auch viel Natur- und Kultur-Erlebnisse. Sie ist - gerade in der Nebensaison - ideal für Wanderer, Radfahrer, Wassersportler, aber auch für Kultur-Interessierte. Nützliche Tipps und aktuelle Infos zum Süden Portugals liefert häufig https://www.algarve-entdecker.com. Diese Woche geht es dort um die konkreten Folgen der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania. Schon an den Pleiten von Airberlin, Niki und Monarch hatte der Flughafen Faro schwer zu schlucken...
cabeza_cuadrada 07.02.2019
4. Jeder wie er mag
Zitat von rambazambahGerade wegen des grandiosen Sommers sind wir daheim geblieben: Ein Garten wie im Paradies, traumhafte Temperaturen, kleiner Pool im Garten, die Liege war immer meins und der Grill stand allzeit bereit. Wir waren braun gebrannt und absolut entspannt. Warum sollte man da wegfliegen?
aber Urlaub zu hause ist für mich einfach kein Urlaub. Wenn ich im Sommer in Skandinavien bin weiß ich warum ich nicht zu hause geblieben bin. Das gilt auch für Fernreisen in wärmere Länder wenn es in Deutschland kalt, nass und grau ist.
jimtravelstar 07.02.2019
5.
Klar, wie rambazambah schon so richtig sagte: wegfliegen braucht es nicht! Ist auch nicht gut für "eine bessere Welt". Wir haben schon mehrfach Familienurlaub an der polnischen Ostsee verbracht. Das ist auch sehr nah, nur eben über eine Grenze. Wie Mecklenburg Vorpommern, nur billiger und leerer als die deutsche Ostseeküste. Vor allem das Naturschutzgebiet um den Sarbsker See mit den Habenda-Houses ist toll. Es muss nicht immer weit weg sein, aber auch nicht der eigene Garten. Da kenne ich jede Blume.
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